Yiorgos Dalaras (international als George Dalaras bekannt) ist mit über 10 Millionen verkaufter Alben der populärste zeitgenössische Botschafter griechischer Musik in der Welt.
1949 als Sohn der Sängers und Bouzukispielers Loukas Daralas im Hafenviertel von Piräus geboren, wurde ihm die Musik schon in die Wiege gelegt. Fast alle männlichen Familienmitglieder, aber auch seine Tante spielten irgendein Instrument, meist Geige, Gitarre oder Bouzuki. Stilistisch geprägt wurde Dalaras vor allem durch den Rembetiko, dem „griechischen Blues“, der Musik seines Vaters. „Es sind immer die einfachen Dinge, die uns berühren, der Geruch, die Töne. Wenn das alles zu Fast Food wird, kriegen wir Bauchschmerzen. Gegen Bauchschmerzen hilft Rembetiko“, sagte er einmal.
Doch Dalaras ist neugierig und bleibt musikalisch nicht stehen, wo andere die Wiederholung pflegen. Er lässt sich inspirieren von der Musik der Sinti und Roma, setzt sich mit arabischen, kretischen und lateinamerikanischen Klangfarben und Rhythmen auseinander und integriert sie in seine Musik. Über die Zusammenarbeit mit internationalen Top-Stars wie Al di Meola, Paco de Lucia, Sting, Bruce Springsteen, Goran Bregovic, Peter Gabriel, Ian Anderson oder Herbert Grönemeyer Dalaras entwickelt er sich im Laufe seiner Karriere im besten Sinne zum „World-Musican“.
Mit fünfzehn Jahren hat er seinen ersten öffentlichen Auftritt, tingelt danach durch kleine griechische Clubs und produziert 1969 seine erste und schon erfolgreiche Schallplatte mit Kompositionen von Stavros Kujumtzis, mit dem er bis zu dessen Tod 2005 eine enge Freundschaft pflegte.
Ein Meilenstein seiner frühen Arbeiten ist das Album “Asia Minor” (1972), das in Zusammenarbeit mit dem Laiko-Musiker Apostolos Kaldaras entstand und sein erstes Platin-Album wurde. Das Jahr 1974, im Jahr des Junta-Sturzes, bringt ihn erstmals mit Mikis Theodorakis zusammen. Dalaras singt die "18 kleinen Lieder der bitteren Heimat" - ein Zyklus mit Gedichten des Lyrikers Jannis Ritsos, den dieser während der Juntaherrschaft geschrieben hatte.
Ein Jahr später veröffentlicht Dalaras "50 Jahre Rembetiko" und löst damit eine Welle der Begeisterung aus. Das Album wird über 500.000 mal verkauft. George Dalaras kommt damit der Verdienst zu, den Rembetiko wieder in die Mitte der Gesellschaft gebracht zu haben. Lange Zeit war diese Musik der griechischen Exilanten aus Kleinasien nur in subkulturellen Szenen der Armutsviertel von Athen und Piräus zu hören. Sie wurde von der Obrigkeit mit Argwohn beobachtet, teilweise sogar mit Verboten belegt.
George Dalaras arbeitet in dieser Zeit mit allen wichtigen griechischen Komponisten zusammen, neben den bereits Genannten zum Beispiel mit Manos Loizos, Jannis Markopoulos, Manos Chatzidaki oder Stavros Xarchakos. 1980 begleitet er Mikis Theodorakis auf einer Tournee durch Australien und Lateinamerika. Er vertritt Griechenland im 1982 beim EUROPALIA-Festival und gibt danach Konzerte in den USA, in Kanada, Australien, Frankreich und in Deutschland sowie in Moskau und London.
In den späten 80er Jahren legt George Dalaras seinen Schwerpunkt auf Lateinamerika. Er arbeitet mit dem Flamenco-Großmeister Paco de Lucia zusammen und führt die „Misa Criolla“ von Ariel Ramirez auf. Der Künstler, dessen Karriere einst in den Clubs der Athener Plaka bekann, füllt inzwischen ganze Stadien. 1988 spielt er im Athener Olympiastadion an drei Abenden vor 90.000 Zuschauern.
Dalaras definiert sich musikalisch immer wieder neu, was durch seine großen stimmlichen Möglichkeiten begünstigt wird. „Alle Lieder, die ich singe, sind mein Leben. Ich habe sie erlebt, gelebt. Ich habe in mir einen reichen Vorrat an musikalischen Genres, Rhythmen und Stilrichtungen. Ich fühle, dass ich mit der und durch die Musik lebe. Viele sagen, das sei ein Nachteil. Ich sehe es als großen Vorteil.” Er verbindet elektronische Musik mit dem traditionellen griechischen Volkslied, integriert Elemente aus unterschiedlichen Kulturkreisen, arbeitet mit Musikern aus Rock, Jazz und Klassik zusammen.
Einen Querschnitt seines bisherigen Schaffens präsentiert George Dalaras bei seiner Europa-Tournee 1995. Beim Konzert in der Frankfurter Alten Oper, das ihn mit der Jazz-, Blues- und Gospelsängerin Joan Faulkner zusammenbringt, wird auf jede elektronische Verstärkung verzichtet. Mitschnitte dieses großartigen Auftritts sind auf dem Album „Live & Unplugged“ zu hören.
Im Gegensatz zu seiner musikalischen Offenheit ist George Dalaras politisch stets eindeutig und erhebt seine Stimme immer wieder gegen Krieg, Armut und Ungerechtigkeit. In den späten 80er und in den 90er-Jahren widmet er viele seiner Konzerte der Sache der zypriotischen Griechen und fordert das Ende der türkischen Besatzung. Während des Kosovo-Krieges tritt er mit dem jugoslawischen Musiker Goran Bregovic für eine Beendigung des Nato-Bombardements auf. Für das UN-Flüchtlingskommisariat, dessen Sonderbotschafter Dalaras seit 2006 ist, gibt er 2001 drei spektakuläre Konzerte in Delphi und am Fuß der Akropolis.
2002 kehrt Dalaras musikalisch zurück zu seinen Wurzeln. Er intoniert vor einer stimmungsgeladenen Kulisse im Apollo-Theater auf der Insel Syros die Lieder des Rembetiko-Großmeisters Markos Vamvakaris. Ihm widmet er 2004 das Doppelalbum „Tribute to Vamvakaris“, an dem auch zwei Söhne von Vamvakaris beteiligt sind. Auch das 2005 erschienene Werk „Statragoudia pou sou grafo“, das international unter dem Titel „Shining Nights“ vertrieben wird, zeugt von Dalaras’ Rückbesinnung zu seinen Anfängen, auch wenn der Rembetika hier auch etwas poppiger als im Original herüberkommt. "Ich möchte einen Kreis schließen und dahin zurückkehren, wo ich angefangen habe", sagt er über die Grundzüge dieses Albums.
Nach einer überaus erfolgreichen Europa-Tournee 2007 veröffentlicht Dalaras im Folgejahr „Desert Villages“, das als sein bisher ambitioniertetes und reifstes Album gilt. In Kooperation mit dem albanischen Komponisten und Akkordeonisten Dasho Kurti erzählt er in den Liedern von Menschen auf der Suche nach Schutz vor Krieg und Verfolgung, vom Leid und von der Trauer, aber auch von der Hoffnung auf ein friedliches neues Leben. Die Not von Flüchtlingen ist ein immer wieder kehrendes Thema bei Dalaras, dessen Mutter einst selbst aus der Türkei vertrieben wurde.
Im Jahr 2010 folgte eine Zugabe-Tournee unter dem Titel „The Encore-Tour“. Zur Zeit arbeitet George Dalaras mit dem Komponisten Alexandros Karozas am „The Kavafis Project“, einer Hommage an den griechischen Dichter Konstantinos Kavafis.
